Eingabe FORUM im Mitwirkungsverfahren zum Sachplan Militär(SPM) vom 2.7.07
Gemeindeverwaltung
Meiringen, 2.Juli 2007 3860 Meiringen
z.Hd. Generalsekretariat VBS
Abt. Raum und Umwelt
Herrn Bruno Locher
3003 Bern
Mitwirkung Sachplan Militär
Betrifft: Entwurf zum Sachplan Militär (SPM) – Anpassung und Fortschreibung 2007
Primär Objektblätter 02.32 Militärflugplatz Meiringen und 02.202 Schiessplatz Axalp
Sehr geehrte Damen und Herren
Wir als politische Gruppierung in
der Gemeinde Meiringen setzen uns seit vielen Jahren für
öko-soziale Anliegen ein, wobei wir den Problemen des
unsere Bevölkerung und unseren Tourismus bedrohenden
Fluglärms
hier im Raum Oberhasli -
Brienz seit jeher eine
sehr entscheidende Rolle beimessen. Aus diesem Grunde
gestatten wir uns zum vorliegenden Sachplan Militär, den
wir in der Gemeindeverwaltung Meiringen sowie im Internet
begutachtet haben, folgende schwerwiegenden
Bedenken
anzumelden:
-
Seit Jahren wird
Ihrerseits auf allen Ihren Flugplätzen mit
der Anzahl der
Flugbewegungen operiert. Auch bei der
Argumentation und dem Vergleich zu früheren Zeiten in
Ihren Erläuterungen im Objektblatt ist wieder primär
einzig die Anzahl der Flugbewegungen als massgebendes
Kriterium für die Belastung der Bevölkerung und der
Touristen dargestellt. Auch hier argumentieren - und
beschönigen – Sie, dass in den letzten 10 Jahren pro
Jahr nur durchschnittlich 4'200 Kampfjetbewegungen
stattgefunden haben. Wir haben den Eindruck, dass Sie
gegen aussen mit neu 5'300 Bewegungen eine relativ
moderate Erhöhung der Anzahl Kampfjetbewegungen
suggerieren. Wohl weisen Sie darauf hin, dass die
Anzahl der Bewegungen mit F/A-18 gegenüber den vorderen
Jahren massiv zugenommen habe und dass diese
Entwicklung bei der Bevölkerung auf zunehmenden
Widerstand stosse. Ihre vorgeschlagene Massnahme der
Pistenverlängerung lehnen wir jedoch ab, da
nachgewiesen werden kann, dass die Lärmbelastung
dadurch zu wenig gesenkt werden könnte.
In jeder seriösen wissenschaftlichen Studie wird seit jeher der Gewichtung von gewissen gegebenen Grundwerten grosse Bedeutung beigemessen, was wir bei Ihren Angaben fast vollständig vermissen. Der Vergleich zwischen den heute 5’300 Bewegungen mit Tigern F-E5 und mehrheitlich mit F/A 18 und den vor noch 7-10 Jahren 4300 Bewegungen mit Huntern und Tigern F-E5 kann gegen aussen nur mit einer Gewichtung bezüglich Lärmemissionen seriös vermittelt werden. Aus diesem Grunde sind die Angaben in Ihrem Objektblatt und in all Ihren bisherigen Informationen ungenügend und in dieser Form nicht akzeptierbar. Als Sofortmassnahme müssten mindestens die 5300 Kampfjetbewegungen in solche von Tigern F-E5, von F/A 18 mit und F/A 18 ohne Nachbrenner auf dem Objektblatt aufgeteilt werden.
-
Im Internet können wir
unter Stichwort VBS und Umwelt unter anderem folgendes
finden:
„Eine moderne, effiziente Armee nimmt die Umweltverantwortung professionell wahr!“
weiter auch:
„Das GS VBS ist verantwortlich für die Verfahrensleitung für die Beurteilung von Lärmimmissionen von mil. Anlagen. Es stützt sich auf dieselben gesetzlichen Grundlagen wie sie für zivile Lärmverursacher gelten“.
Hier liegt eines der Hauptprobleme. Zwischen der Lärmproblematik von zivilen Flugplätzen und den Militärflugplätzen können wesentliche Unterschiede festgestellt werden.
Während bei der Zivilfliegerei eine Tendenz zu immer leiseren Flugzeugen besteht, ist es bei der Militärfliegerei gerade umgekehrt. Die Einzelereignisse der Lärmverursacher haben mit dem heute weltweit lautesten, für Flugzeugträger konzipierten Kampfflugzeug F/A 18 derartige Masse angenommen, dass das System der Beurteilung der Lärmimmissionen (Zumutbarkeit, Grenzwerte) aus der Zivilfliegerei völlig ungeeignet ist.
Durch diese im Prinzip falsch angewendeten Grundlagen entsteht nun diese Differenz zwischen den Aussagen und Annahmen des Sachplans und der betroffenen Bevölkerung in der Region Brienz/Meiringen, aber auch in den beiden anderen verbleibenden Militärflugplatz-Regionen. Auch in Sion wird die wesentliche Steigerung der Anzahl Flugbewegungen mit der F/A 18 eine wesentliche Opposition auslösen und in Payerne werden den aufgezeichneten Entwicklungen sicher auch vermehrt Opposition erwachsen.
Wir sind deshalb der Auffassung, dass aus oben erwähnten Gründen dieser Sachplan so nicht genehmigt werden kann, weil er auf falschen Grundlagen beruht. Zuerst müssen spezifisch auf die Besonderheiten von Militärflugplätzen bezogene Bewertungen der Lärmimmissionen zusammen mit dem BAFU neu erarbeitet werden. - Im vorderen
Abschnitt haben wir die armeeeigene Aussage zitiert, dass
das VBS seine Umweltverantwortung professionell
wahrnehmen soll. Wir zweifeln daran, dass es das tut,
wenn der Umweltschutz und damit der Schutz der eigenen
Bevölkerung (hier vor Lärmimmissionen) aus so genannten
Spargründen mit dem neuen
Stationierungskonzept in den Hintergrund gedrängt wird.
Dass der mit der F/A 18 und einem von Ihnen bereits
geplanten Ersatz für den Tiger F-E5
dauernd
zunehmende Fluglärm von 12 „Kriegsflugplätzen“
auf nur noch 3
verteilt wird und die beiden anderen
wichtigen Flugplätze Dübendorf und Emmen für den
täglichen Betrieb auch noch stillgelegt werden, zeugt
nicht von der eingangs erwähnten professionellen
Wahrnehmung der Umweltverantwortung des VBS und
insbesondere der Flugwaffe. Um dies zu
korrigieren, müssten 2-3 weitere
Flugplätze mindestens für einen reduzierten Flugbetrieb
betrieben werden (welche das sinnvollerweise sein
sollten, überlassen wir den Fachleuten). Daraus ergibt
sich klar auch unsere Forderung nach einem
vorläufigen
Verzicht auf einen weiteren Ausbau
des Flugplatzes
Meiringen bis alle bis hier erwähnten zusätzlichen
Studien und Abklärungen durchgeführt sein werden.
- Anknüpfend an die
vorderen Punkte kommen wir nochmals auf die Konzentration
der Lärmbelastungen und Umweltbelastung der Region zu
sprechen. Einerseits wird hier zu der früher
weniger intensiven WK-und
RS-Belegung zusätzlich eine
F/A 18
- Berufsstaffel mit in der Regel täglichem Flugbetrieb
mit Höllenlärm stationiert, andererseits zusätzlich
mit dem Fliegerschiessplatz
Axalp (Objektblatt 02.201) ein allen verbleibenden
Militärflugplätzen dienender Schiessplatz eine
Lärmbelastung und Luftverschmutzung über das ganze Jahr
zugemutet. Eine solche Konzentration ist schlichtweg
unverantwortlich. Generell kann gesagt werden, dass die
jetzige und die von Ihnen geplante Konstellation für die
Bevölkerung der Region und ihren Hauptwirtschaftszweig
Tourismus unzumutbar, bedrohlich und
lebensqualitätsfeindlich ist. Das relativ enge Tal, in
dem der Flugplatz Meiringen/Unterbach liegt, verstärkt
zudem die Lärmimmissionen enorm. Der Widerhall von den
links und rechts des Tales liegenden Bergflanken erhöht
ganz allgemein den Lärmpegel.
-
Wir sind uns bewusst,
dass die kantonalen und die meisten
massgebenden Gemeindebehörden
der Region vor lauter
Arbeitsplatzphobie die Problematik des
Fluglärms schlicht vernachlässigt
haben. Auch haben sich
die Tourismusverantwortlichen der Region allzu lange
diesem Problem nicht gestellt (Ausnahme: Hotelierverein
Brienz). Die eigentlichen
Bewohner in der ganzen Region und die Touristen, die
nun die Leidtragenden sind, wurden bis jetzt weder
systematisch befragt noch konsultiert.
Viele von ihnen
schlossen sich in der letzten Zeit der IGF
(Interessengruppe für weniger Fluglärm) an, um nicht
diesem ganzen Militärflugplatz-Planungsdebakel
vollständig machtlos gegenüber zu stehen. Zum ersten
Mal kann nun die betroffene Bevölkerung im Rahmen
dieses Mitwirkungsverfahrens seine Meinung
äussern. Sollte der
vorliegende Sachplan mit seinen Grundlagen
wie dem falsch
geplanten Stationierungskonzept sowie den falschen
Grundlagen zur Bewertung der Lärmmessungen
derart heilig
sein, dass
daran nicht mehr gerüttelt werden kann,
würde
dieses Mitwirkungsverfahren zu einem wesentlichen Teil
zur Farce degradiert. Sie müssten dann nicht erstaunt
sein, dass sich die betroffene Bevölkerung an der Nase
herumgeführt fühlen würde. Wenn mit der eigenen
Bevölkerung, die eigentlich durch Armee und Flugwaffe
geschützt werden sollte, so umgegangen und sich damit
die Armee zu ihrem Hauptgegner bezüglich
heutiger und
zukünftiger Lebensqualität entwickeln würde, hätte eine Armee
in dieser Form keine Zukunftsberechtigung mehr, was wir
hoffen, vermeiden zu können.
Und hier noch einige Vorschläge und zusätzliche Anregungen:
- Wesentlich
längere flugfreie
Zeiten einplanen. z.B. in der Hochsaison
Mitte/Ende Juni bis ca. Mitte Oktober. (Ausnahmefälle für
einzelne Jetflugbewegungen allenfalls möglich). WK’s und
RS nur bis spätestens Mitte Mai festlegen (wie in
früheren Jahren üblich).
- Limitierung der
Jet-Flugbewegungen auf dem Flugplatz Meiringen auf
max.3'500 bis 4'000, davon max.20 bis 25% F/A 18.
- Reduktion
der Nachbrennerstarts
auf die ursprünglich
geplanten und „versprochenen“ 30 Starts pro Jahr. (aus
unserer Sicht ein Muss!)
- Wünschenswert
wäre, Mittagsruhezeit
von 1½ auf 2 Stunden zu
erhöhen und ein Muss, diese strikte einzuhalten.
- Nachtflüge
eher im Winter und in
dieser Zeit nur bis 20 Uhr.
- Vermehrte Anpassung der
Startrichtungen an die Tourismushochsaison der
Destinationen Brienz und Meiringen/Hasliberg (Brienz eher
in den Wintermonaten)
- Auf dem
Schiessplatz
Axalp:
⎯ wesentliche Reduktion der Schiesseinsätze.
⎯ Verzicht auf das Anfliegen der Schiessziele ohne Munition ausserhalb der festgelegten jährlichen Schiesszeiten.
⎯ Schiessbetrieb erst nach den Herbstferien (ab 2.Hälfte Oktober) - Als letztes:
Auf Start und
Landungen, sowie Flüge von ausländischen
Kampfflugzeugen ist in unserer Region strikte zu
verzichten, bzw. diese zu verbieten. Unser sensibles
bereits mit eigenem Jetlärm belastetes Berner Oberland
darf dadurch nicht noch mehr belastet und überstrapaziert
werden.
Auf Grund aller oben erwähnten
Feststellungen, Bedenken, Vorschläge und Anregungen fordern
wir Sie deshalb dringend auf, ernsthaft und umfassend auf
diese einzugehen und sie nicht nur als Spinnereien von
Armeegegnern abzutun. Es geht hier um betroffene Mitbürger
unseres Landes, deren Probleme mit der jetzigen und
zukünftigen Lärmsituation in ihrem Lebensraum ernst
genommen werden müssen.
Mit freundlichen Grüssen
FORUM Meiringen
sig. sig.
Albrecht
Büschlen Peter von Arx
Präsident
Vizepräsident
Artikel aus Oberhasler vom 27.8.04 aufgrund des Positionspapiers des FORUMS vom 20.8.04:

Download als PDF: Fluglaerm_27.08.2004
Positionspapier vom 20.08.2004
Auseinandersetzung um Fluglärm Militärflugplatz Meiringen – Unterbach
Nach den vor den Sommerferien sehr kontrovers geführten Diskussionen im „Oberhasler“ ist es uns – als primär im öko-sozialen Bereich engagierte politische Gruppierung in der Gemeinde Meiringen – ein Anliegen, mit den in nächster Zeit zunehmenden Flugbewegungen auch unsere Stellungnahme zum Thema Fluglärm festzuhalten:
Wir sind der Auffassung, dass wir zum
Problem des durch den Militärflugplatz erzeugten Fluglärms
in unserer Region sowie in der Auseinandersetzung zwischen
den verschiedenen Exponenten zu Gunsten der Talbevölkerung
eine klare Position einzunehmen haben.
Wir stellen fest,
dass Lärm (und nicht nur Fluglärm) an und
für sich ein unserer Lebensqualität, der Natur und
allgemein dem Umweltgedanken entgegenlaufendes Phänomen
darstellt. Damit stellt sich gerade der Fluglärm auch gegen
die für unsere Region so lebenswichtige Tourismusqualität,
die sich schwergewichtig u.a. auch mit einer
überdurchschnittlichen Ruhe (als Alternative zu verkehrs-
und lärmvollen städtischen Regionen) und einer intakten
Erholungs-Landschaft auszuzeichnen hätte.
- dass der
Militärflugplatzbetrieb unserer Gemeinde, bzw. der Region
im Bezug auf Arbeitsplätze und Volkswirtschaft einen
nicht unwesentlichen Nutzen bringt. Wir müssen jedoch
leider auch feststellen, dass dieser durch
Fluglärmimmissionen bereits bisher mit starker
Verminderung der Tourismus- und Lebensqualität erkauft
werden musste. Wir befürchten, dass diese durch eine
weitere Zunahme des Fluglärms noch weiter sinken wird.
- dass durch den
vermehrten Einsatz von F/A 18 mit ihren Nachbrennerstarts
die wesentlich unangenehmeren und intensiveren
Lärmimmissionen und Vibrationen entstehen und damit mit
weniger Bewegungen ordentlich mehr und unakzeptablerer
Lärm erzeugt wird als das vor der „Aera F/A 18“ der Fall
war.
- dass die bei der
Information der Bevölkerung und den Verhandlungen mit den
Lokalbehörden ursprünglich als Planungsvorgabe und
Basiszahl angegebenen 30 Nachbrennerstarts pro Jahr in
Zukunft um ein Vielfaches übertroffen werden soll, was
unseres Erachtens eine Missachtung der Bewohner und Gäste
der Alpenregion darstellt.
-
dass Informationen durch
Presse, Flugplatzbetrieb, VBS, IGF, Behörden etc. über
die verschiedenen Flugbewegungszahlen zum Teil
unterschiedlich kommuniziert und interpretiert werden.
- dass – im Zusammenhang
mit der mittel- und langfristigen Entwicklung der Region
– Behörden im Oberhasli immer wieder dazu neigen, dem
Aspekt der Arbeitsplatzerhaltung/-neuschaffung zu Lasten
aller übrigen Randbedingungen, die eine nachhaltige,
umweltfreundliche Entwicklung der Alpenregion fördern
würde eine einseitig überdimensionierte Bedeutung
zuzumessen. Dies scheint uns auch im Zusammenhang mit den
Aktivitäten und Entwicklungen auf dem Flugplatz Unterbach
erfolgt zu sein.
-
dass der Lärm vor allem
von startenden (bei den F/A 18 besonders), aber auch
von landenden Jets in einem Talkessel wie in dem des
Oberhaslis wesentlich intensiver und vermehrfacht
auftritt (Widerhall) als das auf einem Flugplatz in
einer Ebene des Mittellandes (z.B. Payerne) der Fall
ist. Daraus ergäbe sich unseres Erachtens die
Folgerung, Nachbrennerstarts von F/A 18 für die
tägliche Luftüberwachung in Friedenszeiten
grossmehrheitlich von Mittellandflugplätzen aus zu
tätigen.
Auf Grund all dieser von uns oben festgestellten Gegebenheiten, scheint uns in der Auseinandersetzung und Lösungssuche um die Lärmbegrenzung bzw. -verminderung die neu entstandene für einen echten und differenzierten Dialog bereite „Interessengemeinschaft für weniger Fluglärm in der Alpenregion“(IGF) auf dem richtigen Weg zu sein. Aus diesem Grund bringen wir kaum Verständnis auf für die unsachliche Verunglimpfung der IGF durch gewisse Leserbriefe im April dieses Jahres. Da wir der Eindämmung des Fluglärms in der Alpenregion wie auch denjenigen in andern Regionen der Schweiz zur Erhaltung von Lebensqualität einen grossen Stellenwert beimessen, können wir heutzutage sogar einer Initiative wie derjenigen von Franz Weber einiges Verständnis entgegenbringen. Oft sind Extremforderungen im Umweltschutz auch notwendig, um als Gegengewicht zu den täglichen Einzelinteressen gewisser Kreise und allzu kurzfristiger und einseitiger Betrachtungsweisen im Alltag wenigstens minimale Ziele zu erreichen. Wir erwarten von allen Beteiligten einen auf gegenseitigem Respekt und Anstand basierenden lösungsorientierten, in der Sache jedoch harten Dialog.
Forum Meiringen
Meiringen, den 20.8.2004