Bildschirmfoto 2010-06-06 um 20.17.26 Unsere Position: Fluglärm






Eingabe FORUM im Mitwirkungsverfahren zum Sachplan Militär(SPM) vom 2.7.07

Gemeindeverwaltung
Meiringen, 2.Juli 2007 3860 Meiringen
z.Hd. Generalsekretariat VBS
Abt. Raum und Umwelt
Herrn Bruno Locher
3003 Bern



Mitwirkung Sachplan Militär
Betrifft: Entwurf zum Sachplan Militär (SPM) – Anpassung und Fortschreibung 2007
Primär Objektblätter 02.32 Militärflugplatz Meiringen und 02.202 Schiessplatz Axalp

Sehr geehrte Damen und Herren

Wir als
politische Gruppierung in der Gemeinde Meiringen setzen uns seit vielen Jahren für öko-soziale Anliegen ein, wobei wir den Problemen des unsere Bevölkerung und unseren Tourismus bedrohenden Fluglärms hier im Raum Oberhasli - Brienz seit jeher eine sehr entscheidende Rolle beimessen. Aus diesem Grunde gestatten wir uns zum vorliegenden Sachplan Militär, den wir in der Gemeindeverwaltung Meiringen sowie im Internet begutachtet haben, folgende schwerwiegenden Bedenken anzumelden:

  • Seit Jahren wird Ihrerseits auf allen Ihren Flugplätzen mit der Anzahl der Flugbewegungen operiert. Auch bei der Argumentation und dem Vergleich zu früheren Zeiten in Ihren Erläuterungen im Objektblatt ist wieder primär einzig die Anzahl der Flugbewegungen als massgebendes Kriterium für die Belastung der Bevölkerung und der Touristen dargestellt. Auch hier argumentieren - und beschönigen – Sie, dass in den letzten 10 Jahren pro Jahr nur durchschnittlich 4'200 Kampfjetbewegungen stattgefunden haben. Wir haben den Eindruck, dass Sie gegen aussen mit neu 5'300 Bewegungen eine relativ moderate Erhöhung der Anzahl Kampfjetbewegungen suggerieren. Wohl weisen Sie darauf hin, dass die Anzahl der Bewegungen mit F/A-18 gegenüber den vorderen Jahren massiv zugenommen habe und dass diese Entwicklung bei der Bevölkerung auf zunehmenden Widerstand stosse. Ihre vorgeschlagene Massnahme der Pistenverlängerung lehnen wir jedoch ab, da nachgewiesen werden kann, dass die Lärmbelastung dadurch zu wenig gesenkt werden könnte.

    In jeder seriösen wissenschaftlichen Studie wird seit jeher der Gewichtung von gewissen gegebenen Grundwerten grosse Bedeutung beigemessen, was wir bei Ihren Angaben fast vollständig vermissen. Der Vergleich zwischen den heute 5’300 Bewegungen mit Tigern F-E5 und mehrheitlich mit F/A 18 und den vor noch 7-10 Jahren 4300 Bewegungen mit Huntern und Tigern F-E5 kann gegen aussen nur mit einer Gewichtung bezüglich Lärmemissionen seriös vermittelt werden. Aus diesem Grunde sind die Angaben in Ihrem Objektblatt und in all Ihren bisherigen Informationen ungenügend und in dieser Form nicht akzeptierbar. Als Sofortmassnahme müssten mindestens die 5300 Kampfjetbewegungen in solche von Tigern F-E5, von F/A 18 mit und F/A 18 ohne Nachbrenner auf dem Objektblatt aufgeteilt werden.

  • Im Internet können wir unter Stichwort VBS und Umwelt unter anderem folgendes finden:

    „Eine moderne, effiziente Armee nimmt die Umweltverantwortung professionell wahr!“
    weiter auch:
    „Das GS VBS ist verantwortlich für die Verfahrensleitung für die
    Beurteilung von Lärmimmissionen von mil. Anlagen. Es stützt sich auf dieselben gesetzlichen Grundlagen wie sie für zivile Lärmverursacher gelten“.
    Hier liegt eines der Hauptprobleme. Zwischen der Lärmproblematik von zivilen Flugplätzen und den Militärflugplätzen können wesentliche Unterschiede festgestellt werden.
    Während bei der Zivilfliegerei eine Tendenz zu immer leiseren Flugzeugen besteht, ist es bei der Militärfliegerei gerade umgekehrt. Die Einzelereignisse der Lärmverursacher haben mit dem heute weltweit lautesten, für Flugzeugträger konzipierten Kampfflugzeug F/A 18 derartige Masse angenommen, dass das System der Beurteilung der Lärmimmissionen (Zumutbarkeit, Grenzwerte) aus der Zivilfliegerei völlig ungeeignet ist.
    Durch diese
    im Prinzip falsch angewendeten Grundlagen entsteht nun diese Differenz zwischen den Aussagen und Annahmen des Sachplans und der betroffenen Bevölkerung in der Region Brienz/Meiringen, aber auch in den beiden anderen verbleibenden Militärflugplatz-Regionen. Auch in Sion wird die wesentliche Steigerung der Anzahl Flugbewegungen mit der F/A 18 eine wesentliche Opposition auslösen und in Payerne werden den aufgezeichneten Entwicklungen sicher auch vermehrt Opposition erwachsen.
    Wir sind deshalb der Auffassung, dass aus oben erwähnten Gründen dieser Sachplan so nicht genehmigt werden kann, weil er auf falschen Grundlagen beruht.
    Zuerst müssen spezifisch auf die Besonderheiten von Militärflugplätzen bezogene Bewertungen der Lärmimmissionen zusammen mit dem BAFU neu erarbeitet werden.

  • Im vorderen Abschnitt haben wir die armeeeigene Aussage zitiert, dass das VBS seine Umweltverantwortung professionell wahrnehmen soll. Wir zweifeln daran, dass es das tut, wenn der Umweltschutz und damit der Schutz der eigenen Bevölkerung (hier vor Lärmimmissionen) aus so genannten Spargründen mit dem neuen Stationierungskonzept in den Hintergrund gedrängt wird. Dass der mit der F/A 18 und einem von Ihnen bereits geplanten Ersatz für den Tiger F-E5 dauernd zunehmende Fluglärm von 12 „Kriegsflugplätzen“ auf nur noch 3 verteilt wird und die beiden anderen wichtigen Flugplätze Dübendorf und Emmen für den täglichen Betrieb auch noch stillgelegt werden, zeugt nicht von der eingangs erwähnten professionellen Wahrnehmung der Umweltverantwortung des VBS und insbesondere der Flugwaffe. Um dies zu korrigieren, müssten 2-3 weitere Flugplätze mindestens für einen reduzierten Flugbetrieb betrieben werden (welche das sinnvollerweise sein sollten, überlassen wir den Fachleuten). Daraus ergibt sich klar auch unsere Forderung nach einem vorläufigen Verzicht auf einen weiteren Ausbau des Flugplatzes Meiringen bis alle bis hier erwähnten zusätzlichen Studien und Abklärungen durchgeführt sein werden.
  • Anknüpfend an die vorderen Punkte kommen wir nochmals auf die Konzentration der Lärmbelastungen und Umweltbelastung der Region zu sprechen. Einerseits wird hier zu der früher weniger intensiven WK-und RS-Belegung zusätzlich eine F/A 18 - Berufsstaffel mit in der Regel täglichem Flugbetrieb mit Höllenlärm stationiert, andererseits zusätzlich mit dem Fliegerschiessplatz Axalp (Objektblatt 02.201) ein allen verbleibenden Militärflugplätzen dienender Schiessplatz eine Lärmbelastung und Luftverschmutzung über das ganze Jahr zugemutet. Eine solche Konzentration ist schlichtweg unverantwortlich. Generell kann gesagt werden, dass die jetzige und die von Ihnen geplante Konstellation für die Bevölkerung der Region und ihren Hauptwirtschaftszweig Tourismus unzumutbar, bedrohlich und lebensqualitätsfeindlich ist. Das relativ enge Tal, in dem der Flugplatz Meiringen/Unterbach liegt, verstärkt zudem die Lärmimmissionen enorm. Der Widerhall von den links und rechts des Tales liegenden Bergflanken erhöht ganz allgemein den Lärmpegel.
  • Wir sind uns bewusst, dass die kantonalen und die meisten massgebenden Gemeindebehörden der Region vor lauter Arbeitsplatzphobie die Problematik des Fluglärms schlicht vernachlässigt haben. Auch haben sich die Tourismusverantwortlichen der Region allzu lange diesem Problem nicht gestellt (Ausnahme: Hotelierverein Brienz). Die eigentlichen Bewohner in der ganzen Region und die Touristen, die nun die Leidtragenden sind, wurden bis jetzt weder systematisch befragt noch konsultiert. Viele von ihnen schlossen sich in der letzten Zeit der IGF (Interessengruppe für weniger Fluglärm) an, um nicht diesem ganzen Militärflugplatz-Planungsdebakel vollständig machtlos gegenüber zu stehen. Zum ersten Mal kann nun die betroffene Bevölkerung im Rahmen dieses Mitwirkungsverfahrens seine Meinung äussern. Sollte der vorliegende Sachplan mit seinen Grundlagen wie dem falsch geplanten Stationierungskonzept sowie den falschen Grundlagen zur Bewertung der Lärmmessungen derart heilig sein, dass daran nicht mehr gerüttelt werden kann, würde dieses Mitwirkungsverfahren zu einem wesentlichen Teil zur Farce degradiert. Sie müssten dann nicht erstaunt sein, dass sich die betroffene Bevölkerung an der Nase herumgeführt fühlen würde. Wenn mit der eigenen Bevölkerung, die eigentlich durch Armee und Flugwaffe geschützt werden sollte, so umgegangen und sich damit die Armee zu ihrem Hauptgegner bezüglich heutiger und zukünftiger Lebensqualität entwickeln würde, hätte eine Armee in dieser Form keine Zukunftsberechtigung mehr, was wir hoffen, vermeiden zu können.

    Und hier noch einige Vorschläge und zusätzliche Anregungen:

  • Wesentlich längere flugfreie Zeiten einplanen. z.B. in der Hochsaison Mitte/Ende Juni bis ca. Mitte Oktober. (Ausnahmefälle für einzelne Jetflugbewegungen allenfalls möglich). WK’s und RS nur bis spätestens Mitte Mai festlegen (wie in früheren Jahren üblich).
  • Limitierung der Jet-Flugbewegungen auf dem Flugplatz Meiringen auf max.3'500 bis 4'000, davon max.20 bis 25% F/A 18.
  • Reduktion der Nachbrennerstarts auf die ursprünglich geplanten und „versprochenen“ 30 Starts pro Jahr. (aus unserer Sicht ein Muss!)
  • Wünschenswert wäre, Mittagsruhezeit von 1½ auf 2 Stunden zu erhöhen und ein Muss, diese strikte einzuhalten.
  • Nachtflüge eher im Winter und in dieser Zeit nur bis 20 Uhr.
  • Vermehrte Anpassung der Startrichtungen an die Tourismushochsaison der Destinationen Brienz und Meiringen/Hasliberg (Brienz eher in den Wintermonaten)
  • Auf dem Schiessplatz Axalp:
    wesentliche Reduktion der Schiesseinsätze.
    Verzicht auf das Anfliegen der Schiessziele ohne Munition ausserhalb der festgelegten jährlichen Schiesszeiten.
    Schiessbetrieb erst nach den Herbstferien (ab 2.Hälfte Oktober)
  • Als letztes: Auf Start und Landungen, sowie Flüge von ausländischen Kampfflugzeugen ist in unserer Region strikte zu verzichten, bzw. diese zu verbieten. Unser sensibles bereits mit eigenem Jetlärm belastetes Berner Oberland darf dadurch nicht noch mehr belastet und überstrapaziert werden.

Auf Grund aller oben erwähnten Feststellungen, Bedenken, Vorschläge und Anregungen fordern wir Sie deshalb dringend auf, ernsthaft und umfassend auf diese einzugehen und sie nicht nur als Spinnereien von Armeegegnern abzutun. Es geht hier um betroffene Mitbürger unseres Landes, deren Probleme mit der jetzigen und zukünftigen Lärmsituation in ihrem Lebensraum ernst genommen werden müssen.

Mit freundlichen Grüssen

FORUM Meiringen


sig. sig.
Albrecht Büschlen Peter von Arx
Präsident Vizepräsident









Artikel aus Oberhasler vom 27.8.04 aufgrund des Positionspapiers des FORUMS vom 20.8.04:

Fluglaerm_27.8.2004

Download als PDF:
Fluglaerm_27.08.2004






Positionspapier vom 20.08.2004
Auseinandersetzung um Fluglärm Militärflugplatz Meiringen – Unterbach


Nach den vor den Sommerferien sehr kontrovers geführten Diskussionen im „Oberhasler“ ist es uns – als primär im öko-sozialen Bereich engagierte politische Gruppierung in der Gemeinde Meiringen – ein Anliegen, mit den in nächster Zeit zunehmenden Flugbewegungen auch unsere Stellungnahme zum Thema Fluglärm festzuhalten:

Wir sind der Auffassung, dass wir zum Problem des durch den Militärflugplatz erzeugten Fluglärms in unserer Region sowie in der Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Exponenten zu Gunsten der Talbevölkerung eine klare Position einzunehmen haben.
Wir stellen fest,

dass Lärm (und nicht nur Fluglärm) an und für sich ein unserer Lebensqualität, der Natur und allgemein dem Umweltgedanken entgegenlaufendes Phänomen darstellt. Damit stellt sich gerade der Fluglärm auch gegen die für unsere Region so lebenswichtige Tourismusqualität, die sich schwergewichtig u.a. auch mit einer überdurchschnittlichen Ruhe (als Alternative zu verkehrs- und lärmvollen städtischen Regionen) und einer intakten Erholungs-Landschaft auszuzeichnen hätte.

  • dass der Militärflugplatzbetrieb unserer Gemeinde, bzw. der Region im Bezug auf Arbeitsplätze und Volkswirtschaft einen nicht unwesentlichen Nutzen bringt. Wir müssen jedoch leider auch feststellen, dass dieser durch Fluglärmimmissionen bereits bisher mit starker Verminderung der Tourismus- und Lebensqualität erkauft werden musste. Wir befürchten, dass diese durch eine weitere Zunahme des Fluglärms noch weiter sinken wird.
  • dass durch den vermehrten Einsatz von F/A 18 mit ihren Nachbrennerstarts die wesentlich unangenehmeren und intensiveren Lärmimmissionen und Vibrationen entstehen und damit mit weniger Bewegungen ordentlich mehr und unakzeptablerer Lärm erzeugt wird als das vor der „Aera F/A 18“ der Fall war.
  • dass die bei der Information der Bevölkerung und den Verhandlungen mit den Lokalbehörden ursprünglich als Planungsvorgabe und Basiszahl angegebenen 30 Nachbrennerstarts pro Jahr in Zukunft um ein Vielfaches übertroffen werden soll, was unseres Erachtens eine Missachtung der Bewohner und Gäste der Alpenregion darstellt.
  • dass Informationen durch Presse, Flugplatzbetrieb, VBS, IGF, Behörden etc. über die verschiedenen Flugbewegungszahlen zum Teil unterschiedlich kommuniziert und interpretiert werden.



  • dass – im Zusammenhang mit der mittel- und langfristigen Entwicklung der Region – Behörden im Oberhasli immer wieder dazu neigen, dem Aspekt der Arbeitsplatzerhaltung/-neuschaffung zu Lasten aller übrigen Randbedingungen, die eine nachhaltige, umweltfreundliche Entwicklung der Alpenregion fördern würde eine einseitig überdimensionierte Bedeutung zuzumessen. Dies scheint uns auch im Zusammenhang mit den Aktivitäten und Entwicklungen auf dem Flugplatz Unterbach erfolgt zu sein.
  • dass der Lärm vor allem von startenden (bei den F/A 18 besonders), aber auch von landenden Jets in einem Talkessel wie in dem des Oberhaslis wesentlich intensiver und vermehrfacht auftritt (Widerhall) als das auf einem Flugplatz in einer Ebene des Mittellandes (z.B. Payerne) der Fall ist. Daraus ergäbe sich unseres Erachtens die Folgerung, Nachbrennerstarts von F/A 18 für die tägliche Luftüberwachung in Friedenszeiten grossmehrheitlich von Mittellandflugplätzen aus zu tätigen.


Auf Grund all dieser von uns oben festgestellten Gegebenheiten, scheint uns in der Auseinandersetzung und Lösungssuche um die Lärmbegrenzung bzw. -verminderung die neu entstandene für einen echten und differenzierten Dialog bereite „Interessengemeinschaft für weniger Fluglärm in der Alpenregion“(IGF) auf dem richtigen Weg zu sein. Aus diesem Grund bringen wir kaum Verständnis auf für die unsachliche Verunglimpfung der IGF durch gewisse Leserbriefe im April dieses Jahres. Da wir der Eindämmung des Fluglärms in der Alpenregion wie auch denjenigen in andern Regionen der Schweiz zur Erhaltung von Lebensqualität einen grossen Stellenwert beimessen, können wir heutzutage sogar einer Initiative wie derjenigen von Franz Weber einiges Verständnis entgegenbringen. Oft sind Extremforderungen im Umweltschutz auch notwendig, um als Gegengewicht zu den täglichen Einzelinteressen gewisser Kreise und allzu kurzfristiger und einseitiger Betrachtungsweisen im Alltag wenigstens minimale Ziele zu erreichen. Wir erwarten von allen Beteiligten einen auf gegenseitigem Respekt und Anstand basierenden lösungsorientierten, in der Sache jedoch harten Dialog.

Forum Meiringen
Meiringen, den 20.8.2004